Getagged: Quäker

über zwei stille-dialekte zur ursprache der stille

Eine kleine Anzahl von Teilnehmenden, die im Laufe des Tages zu einer Gruppe zusammengewuchs: Der Begegnungstag zwischen zwei Stille-Dialekten (orthodox und quäkerisch) begann am Vormittag mit der Möglichkeit, erst den einen Dialekt und dann den anderen Dialekt erst einmal zu „hören“ und auszuprobieren.

Adelheid Sievers begann mit Zitaten aus der Väter-Tradition zum Herzensgebet und dem Hinweis, dass diese Gebetstradition als Gebetsort den Herzraum einnimmt. Als es ums Ausprobieren ging, leitete sie daher auch dazu an, eine Hand auf den Herzraum zu legen. Ausgerichtet waren wir auf die weiße Wand: In der ostkirchlichen Tradition soll bei aller Sinnlichkeit der Liturgie und all der Bildwerke das Herzensgebet „bildlos“ sein.

Gerhild und Artur machten mit uns ein „Gespräch aus der Stille“, was eine neuere Form bei den Quäkern ist: Man begibt sich gemeinsam in die Stille, dann darf man etwas sagen zu einem Thema, das vorgeschlagen wurde. Am Ende gibt man sich die Hände. Das Setting diesmal: Im Kreis, in der Mitte stand eine Kerze und ein Blumengesteck. Auch das Tischkreuz wurde weggenommen: Die Quäker kennen keine Sakralräume und keine Sakralgegenstände.

Am Nachmittag dann mehr Zeit zum Fragen: Was für eine Rolle spielt deine Tradition für deinen Stille-Dialekt und für deine geistliche Übung? Wie nehme ich das Eigene wahr, wenn ich das Fremde miterleben darf? Natürlich knirscht es auch: Wie weit geht die „Ökumene des Herzens“ oder die „Ökumene der Stille“? Kannst du mit Buddhisten schweigen? Gibt es also auch Quäker, die Jesus nicht als Mittelpunkt haben? – Und als „Antwort“ auf eine verfahrene Gepsprächssituation, in der Fronten markiert wurden, der Vorschlag der Quäker kurz in die Stille zu gehen. Und wieder am Ende: Sich die Hände reichen. – Für mich war das eine ganz starke Geste. Was hat sich gelöst? Inhaltlich ja nichts. Aber vielleicht ist man durch die Stille und durch das Sich-die-Hände-reichen noch einmal zum Ur-Dialekt gekommen, wo wir uns als Kreaturen vergewissern: Wir gehören doch zusammen, trotz unserer Standpunkte. Es gibt Gemeinsames, trotz unserer verschiedenen Meinungen.

Was hörst du in der Stille? Was für einen Stille-Dialekt sprichst du? Und was für eine Sprache nimmst du an, die aus der Stille kommt?

Abspann: Ich finde es auch sehr spannend, über die Facebook-Seiten der Quäker in Deutschland und in England mehr von ihrem auch sehr politischen Engangement mitzubekommen. Das Foto zeigt eine frühes Stadium einer Ikone, die Adelheid Sievers für das Ansverus-Haus in Aumühle geschrieben hat.

Adelheid_Sievers_Ikone

bei der stillen andacht der quäker

Ich war heute morgen bei der Stillen Andacht der Quäker. Sie findet im Gemeindehaus einer lutherischen Kirche in Barmbek statt.

Zu acht sitzen wir auf Stühlen um einen niedrigen Tisch herum, auf dem eine kleine Kerze brennt, um die Kerze eine Bibel und „Quaker Faith and Practice“. Mir wird kurz erläutert, was passieren kann in einer „Stillen Andacht“: Jeder geht in die Stille. Wenn es jedoch jemanden drängt, etwas zu sagen, passiert auch das. Allerdings antwortet die Gruppe darauf nicht.

Als die Andacht beginnt, gehe ich in Gewohntes: In die Handflächen hineinspüren, den Atem zählen. Spüren, wie angenehm der Körper es findet, da zu sein. Ich bin auch etwas müde. Und da wir hier nicht beim Zen sind, so geht es mir durch den Kopf, ist es bestimmt auch okay, etwas zu dösen. Tatsächlich geschieht es heute morgen, dass jemand etwas sagt, etwas berichtet von einer beeindruckenden Begegnung mit einer besonderen Frau.

Inzwischen ist es mir an meinen Beinen kalt. Ich versuche trotzdem wieder in das Ruhen zu kommen, das ich zu Anfang der Andacht hatte. Es gelingt mir nicht so richtig. Ich spüre auf einmal Motivation und Klarheit. Erstaunt stelle ich fest, dass ich in dem Moment recht gelassen auf alles schaue, was ich noch zu erledigen habe.

Die Stille Andacht wird damit beendet, dass wir uns alle einmal wortlos an den Händen fassen. Dann gibt es Tee und Kekse und Datteln. Lecker. Und auch Gespräch. Nette Leute sind das.

Abspann:

  • Ich finde den Blog der Berliner Quäker sehr spannend.
  • Die Hamburger Gruppe trifft sich jeden 2. und 4. Sonntag im Monat im Gemeindehaus der Auferstehungskirche in Nord-Barmbek (Tieloh 22-24,22307 Hamburg, direkt neben der U-Bahn „Habichtstraße“) von 10.30-11.30 Uhr zur Stillen Andacht.
  • Am Sonntag, 9. Februar 2014 laden wir in Kooperation mit MEET  zu einem Begegnungstag im Ansverus-Haus (Aumühle) ein, wo es um die Frage geht: Spielen Konfessionen überhaupt noch eine Rolle, wenn wir in die Stille gehen? Zu Gast sind zwei Quäker aus Hamburg und eine Eremitin aus Ratzeburg.

WP_20140126_003_quaker